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Digitaler Produktpass: Eine Datenbasis für ESPR, PPWR und Co.

Die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD), die Ecodesign-Verordnung (ESPR), die Verpackungsverordnung (PPWR) und der Digitale Produktpass (DPP): Für viele Nachhaltigkeitsverantwortliche und Produktentwickler*innen wirkt die Regulatorik wie eine endlose Kette einzelner Projekte, jedes mit eigenem Budget und eigenem Datenformat. Bei näherer Betrachtung greifen die Anforderungen aber auf dieselben Datenpunkte zurück: Materialzusammensetzung, Recyclingfähigkeit, CO₂-Fußabdruck und Herkunft. Die eigentliche Aufgabe ist deshalb nicht, noch mehr zu berichten, sondern vorhandene Produktdaten einmal sauber zu strukturieren und über mehrere Anforderungen hinweg zu nutzen. Der Digitale Produktpass bietet dafür einen konkreten Anlass.


Regulatorischer Stand: Der DPP wird technische Realität 

Seit dem 20. Juli 2026 ist das europäische DPP-Register mit Testumgebung live. Produktkennungen und Metadaten werden künftig dort zentral registriert, die eigentlichen Produktdaten bleiben dezentral bei den Unternehmen. Eine generelle Pflicht besteht dadurch noch nicht, welche Daten für welche Produktgruppe verpflichtend werden, entscheiden die jeweiligen delegierten Rechtsakte zur ESPR beziehungsweise eigene EU-Rechtsakte für andere Produktgruppen. Zwischen Inkrafttreten und Anwendungsbeginn liegt bei ESPR-Rechtsakten in der Regel eine Frist von mindestens 18 Monaten.

Wer bis zur finalen Klärung aller Details wartet, verschenkt jedoch Zeit. Ein früher technischer Test der eigenen Datenmodelle und Stammdaten lohnt sich bereits jetzt, unabhängig vom konkreten Anwendungsdatum. 


Produktdaten als gemeinsamer Nenner

PPWR, ESPR und Product Carbon Footprint (PCF) unterscheiden sich in ihrem regulatorischen Fokus, greifen aber auf überlappende Datenpunkte zurück: etwa den Rezyklatanteil einer Verpackung, der gleichzeitig in die PPWR-Dokumentation, den PCF und später den DPP einfließen kann. Wird dieselbe Kennzahl in drei getrennten Tabellen gepflegt, entsteht dreifache Arbeit für eine einzige Information, mit entsprechendem Fehlerpotenzial bei Aktualisierungen.

 

Der DPP als gemeinsame Datenbasis, nicht als reine Berichtspflicht

Der eigentliche Wert des Digitalen Produktpasses liegt nicht im Format, sondern darin, wie Unternehmen die zugrunde liegenden Daten organisieren und nutzen. Wird der DPP als zentrale Datenbasis aufgesetzt, arbeiten Einkauf, Produktentwicklung, Vertrieb und Nachhaltigkeitsteam mit denselben Informationen auf unterschiedlichen Aggregationsebenen, statt jeweils eigene Listen zu pflegen. Ändert sich etwa ein Material, muss nur eine Quelle aktualisiert werden, wovon Lieferantenbewertung, CO₂-Bilanzierung und Produktkommunikation gleichermaßen profitieren. Ein Großteil der bereichsübergreifenden Abstimmung wird dadurch überflüssig, die Entscheidungsqualität steigt auf jeder Ebene.

Fünf Schritte für den Einstieg Wie Sustainable Sie beim Aufbau Ihrer Produktdatenbasis unterstützt

  • Anwendbarkeit klären: Produktgruppen den relevanten Anforderungen zuordnen, orientiert am ESPR-Arbeitsplan 2025–2030 der EU-Kommission und den produktspezifischen PPWR-Vorgaben. Bestehende Datenlage und -qualität sowie Abhängigkeiten von Lieferanten dokumentieren.

  • Überschneidungen sichtbar machen: Für eine konkrete Produktgruppe die zentralen Datenpunkte (Material, Rezyklatanteil, Recyclingfähigkeit, Herkunft, CO₂-Fußabdruck) den verantwortlichen Bereichen und Systemen zuordnen.

  • Mit einem realen Fall starten: Ein Produkt mit absehbarem regulatorischem Druck als Testfall wählen und prüfen, wo Einkauf, Produktentwicklung und Vertrieb Prozesse anpassen müssen.

  • KPIs und Verantwortlichkeiten festlegen: Für jeden Datenpunkt eine verantwortliche Funktion sowie klare Freigabe- und Aktualisierungsprozesse mit Lieferanten definieren.

  • Ergebnisse überprüfen: Neben Datenqualität auch Prozesskennzahlen messen, etwa Antwortzeiten bei Lieferantenanfragen und den Wegfall doppelter Datenpflege.

Wie Sustainable Sie beim Aufbau Ihrer Produktdatenbasis unterstützt

Der Digitale Produktpass betrifft selten nur eine Abteilung, sondern verbindet Themen, die bei Sustainable AG Unternehmensberatung ineinandergreifen:

  • Product Accounting liefert die methodische Grundlage, um Materialdaten, Rezyklatanteile und den Product Carbon Footprint konsistent zu erheben und über verschiedene Regulatorik hinweg nutzbar zu machen.

  • ESG Daten & Tools sowie unsere Digital Solutions helfen dabei, Produktdaten aus verschiedenen Quellen und Lieferanten zentral zu strukturieren, statt sie in Insellösungen zu verwalten.

  • Circular Economy und Circular Accounting unterstützen dabei, Recyclingfähigkeit und Kreislauffähigkeit von Produkten und Verpackungen von Beginn an mitzudenken, statt sie nachträglich zu ergänzen.

  • Responsible Procurement & Supply Chain stellt sicher, dass Lieferantenanfragen zu Materialien und Herkunft einmal sauber aufgesetzt und nicht für jede Regulatorik neu formuliert werden.

  • Unsere Digital Product Passport (DPP)-Beratung begleitet Sie von der ersten Datenmodellierung bis zur technischen Umsetzung des Digitalen Produktpasses.


Wenn Sie noch nicht wissen, wo Sie mit Ihrer Produktgruppe stehen oder welche Daten Sie zuerst strukturieren sollten, unterstützen wir Sie dabei, den ersten konkreten Anwendungsfall zu definieren und ihn in Ihre bestehenden Prozesse einzubetten.

Kooperation mit osapiens

Dieser Beitrag ist ursprünglich als Gastbeitrag unserer Kolleg*innen Lina Dawid, Timo Ernst und Julia Urbauer auf dem Blog unseres Partners osapiens erschienen. Mit osapiens verbindet uns eine Partnerschaft rund um digitale Lösungen für den Digitalen Produktpass und weitere ESG-Datenthemen.

 

Zum Originalbeitrag auf dem osapiens-Blog

 

 

Veröffentlicht am
07.10.2026
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